Interview mit Gunther Gamst

INTERVIEW MIT DEM DAIKIN DEUTSCHLAND GESCHÄFTSFÜHRER

Gunther Gamst, Dipl.-Ing. (FH), ist seit 2011 Geschäftsführer der DAIKIN Airconditioning Germany GmbH mit Sitz in Unterhaching bei München. Zuvor war er in mehreren Positionen im Unternehmen tätig: Zunächst ab 1. Februar 1996 im Außendienst für das Gebiet Norddeutschland, dann ab 1999 als regionaler Vertriebsleiter Berlin und ab 2001 als regionaler Vertriebsleiter Hamburg. 2004 wurde er zum Vertriebsleiter Deutschland ernannt und ab 2009 arbeitete er als Sales Director. Im Interview zieht Gunther Gamst Bilanz und spricht über die zukünftigen Herausforderungen für DAIKIN und die Branche.

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Seit fast 20 Jahren sind Sie bei DAIKIN tätig, was hat Sie so lange bei dem Unternehmen gehalten?

Gunther Gamst: 
Wenn man zur richtigen Zeit mit dem richtigen Einsatz am richtigen Ort ist, dann entwickelt sich so eine langfristige Bindung. Glück gehört natürlich auch dazu. Bei DAIKIN hatte ich von Anfang an das Gefühl, etwas voranbringen zu können. Es hat immer sehr viel Spaß gemacht, denn die Firma hat einem immer etwas zurückgegeben; und das meine ich nicht nur monetär sondern auch durch Anerkennung, Trainings- und Entwicklungschancen. Wenn du Leistung gebracht hast, wurde das auch honoriert und so ist es heute immer noch. 
Meine Aufgabe war damals in der Aufbauphase von DAIKIN sehr spannend. Ich habe ein Vertriebsgebiet bekommen und konnte dieses selbst aufbauen. Unser Unternehmen hat sich dann sehr gut entwickelt. Die Kollegen, die dazukamen, haben alle gepasst, viele meiner heutigen Mitarbeiter sind fast von Anfang an mit dabei. 
Die Arbeit war damals allerdings viel produktlastiger. Heute steht das Produkt weniger im Mittelpunkt, weil es technologisch ausgereift ist. Viel wichtiger ist der Service und eine funktionierende Kundenbeziehung mit individueller Betreuung durch den Außendienst geworden. In meiner Anfangszeit hatten wir weniger Wettbewerbsdruck. Der einzige Wettbewerber war Kaut/Sanyo, da gab es schon Preiskämpfe, aber keine extrem harten. Das waren natürlich paradiesische Zustände. 
DAIKIN war zu der Zeit Vorreiter in Sachen Werbung. Ganz vorne dran waren aber auch beim Aufbau einer eigenen Vertriebsmannschaft, wie zum Beispiel unsere VRV Consulting Sales. Dieser sehr erfolgreiche Vertriebsansatz, der unser Produkt frühzeitig in Ausschreibungen platzierte, wurde natürlich auch von anderen kopiert.

 

Was begeistert Sie an Ihrem Beruf und an der Branche?

Gunther Gamst: 
Die Branche ist eine der abwechslungsreichsten, die es gibt. So viele verschiedene Herausforderungen und Kompetenzen findet man nicht beim KFZ-Mechaniker, nicht beim Heizungsbauer, vielleicht beim Flugzeugmechaniker. Du musst dich mit Elektrotechnik beschäftigen, mit Steuerungstechnik und Thermodynamik, etwas von Kompressortechnik verstehen und mit Menschen umgehen können. Auch auf der Baustelle musst Du Dich auf die Menschen einschwingen können, die dort arbeiten, damit eine Baustelle rechtzeitig abgeschlossen werden kann. Die Technologie hat sich sehr weiterentwickelt. Die Maschine von heute ist überhaupt nicht zu vergleichen mit der Maschine von damals. Die Qualität der Geräte wurde enorm gesteigert und um viele neue, spannende Produktmerkmale und Funktionen ergänzt. Das ganze Drumherum gefällt mir sowieso, es ist abwechslungsreich und fordernd. Auch haben sich die Themen verändert. Vor 20 Jahren sprach beispielsweise noch niemand von der Energiewende. Die Beschäftigung mit den Fragen, wie können wir die Marke DAIKIN besser darstellen, wie unser Marketing weiterentwickeln, oder was zeichnet modernes Key Account Management aus, all diese Themen machen mir Spaß.

 

Was sind die Kernkompetenzen von DAIKIN in Deutschland?

Gunther Gamst: 
Die heutige Ausrichtung mit den unterschiedlichen Vertriebsbüros und den Außendienstmitarbeitern ist eine ganz klare Stärke von DAIKIN. Das macht den entscheidenden Unterschied, nicht so sehr das Produkt. Dass unsere Produkte super sind ist Grundvoraussetzung. Und die Mitarbeiter, die für DAIKIN arbeiten, die machen den Unterschied, wenn sie nach den Bedürfnissen der Kunden und der Anlagenbauer fragen, um dann gemeinsam Ideen zu entwickeln und die richtigen Angebote zu erstellen. Doch auch hier können wir noch dazulernen. Das ist unsere Hausaufgabe. 

Worin wir auch gut sind ist, die Marke DAIKIN bekannter zu machen. Was wir über Marketing und Öffentlichkeitsarbeit in den letzten zwei bis drei Jahren bewegt haben, ist beachtlich. Und wir sind mit vielen Entscheidern aus Wirtschaft und Politik im Austausch. Zum Beispiel im Rahmen unserer Mitgliedschaft bei der Stiftung 2 Grad, wo wir im November 2015 mit den Top-Unternehmenslenkern Deutschlands von Schüco, Otto, Puma, Deutsche Bahn und der Bundesumweltministerin mit dem Zug zur Klimaschutzkonferenz nach Paris fahren werden. Das ist der richtige Weg, denn diese Kontakte sind unbezahlbar und werden helfen, DAIKIN bekannt zu machen.

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Vor welchen Herausforderungen steht die Branche in den nächsten Jahren?

Gunther Gamst: 
Die Branche arbeitet nicht zusammen, jeder arbeitet für sich. Es gibt keine vernünftige Branchenstrategie und in den Verbänden vertritt jedes Unternehmen nur seine individuellen Interessen. So kommen wir nicht weiter. Wir müssen uns zusammentun, um in der Politik für F-Gase, Wärmepumpen und Energieeffizienz zu trommeln. Das ist die Herausforderung der Branche. Speziell die Kälte-Branche unterschätzt, wie sich andere Firmen auf die Marktentwicklungen und Kundenbedürfnisse einstellen und sich in diesem Bereich auch engagieren werden. Das sind Unternehmen wie Viessmann, Bosch oder Buderus und in naher Zukunft vielleicht sogar Google und Apple, die das Thema für sich entdecken. Da müssen wir aufpassen und schnell reagieren, dass diese Firmen uns nicht überholen. Es gibt Firmen, die haben bereits verstanden, dass man sich um das Gesamtgebäude kümmern muss und nicht nur um die Kälteanlage, die Lüftungsanlage oder die Klimaanlage. DAIKIN hat deshalb in den letzten Jahren kontinuierlich sein Produktportfolio erweitert und Firmen zugekauft. Allein schon, um genügend Mitarbeiter zu akquirieren, kommen wir auch in Zukunft nicht an Zukäufen vorbei.

 

Vervollständigen Sie den Satz: „Eine Klimaanlage kann…“

Gunther Gamst: 
... mehr, als Sie denken. Ich weiß nicht warum, aber wenn das Wort Klimaanlage irgendwo fällt, hat der Otto Normalverbraucher sofort Angst, krank zu werden. Wenn das so wäre, würden wir nicht so viele Projekte realisieren. Das Traurige ist, dass die Menschen heute gar nicht wissen, was eine Klimaanlage überhaupt kann. Klimaanlagen sind heute nicht mehr das, was sie früher mal waren. Die Klimaanlagen, die dafür gesorgt haben, dass der Ruf so schlecht ist, werden leider immer noch geplant: viel zu groß ausgelegt, nicht individuell regelbar, mit Betonkernaktivierung und ohne Lüftungsanlage. Das sind dann deutsche Ingenieurleistungen, die man nur in einem Projekt findet, sie sind auf kein anderes Projekt übertragbar. Und das ist ein Fehler. Deshalb haben Klimasysteme so einen schlechten Ruf. 
Wir machen das anders, wir schauen uns jeden Raum an, können jeden Raum individuell klimatisieren und das mit nur einem System für das gesamte Gebäude. Gleichzeitig optimieren wir unsere Produkte fortwährend. So gibt es bei den Innengeräten noch enorme Entwicklungspotenziale: bessere Filterung, bessere Regelung, unsichtbare Geräte, weniger Geräusche.

 

Die Energiewende ist DAS Projekt made in Germany. Welchen Beitrag kann DAIKIN hierzu leisten?

Gunther Gamst: 
Unsere Branche steht bei diesem Thema immer im Schussfeld. Und das obwohl sie eine Menge leisten kann, um die Energiewende erfolgreich mitzugestalten. Deshalb machen wir auch das FOR F.R.E.E. Hotelprojekt. Mit dem „Förderprojekt Regenerative Energie-Effizienz“ wollen wir beweisen, dass mit der DAIKIN Systemtechnologie, die heute am Markt verfügbar ist, die Energieverbräuche und CO2-Emissionen drastisch reduziert werden können. Wenn wir das komplette Gebäude anschauen und unsere Technik einsetzen, können wir einen Riesenbeitrag leisten. Wichtig ist, weg von Öl und Gas zu kommen, denn die Zeit fossiler Energieträger ist abgelaufen. Das ist überhaupt die größte Herausforderung, dass wir in Deutschland irgendwann komplett auf Kohle und Öl verzichten und Gas nur verwenden, wenn es wirklich nötig ist. Und dann führt kein Weg an der Wärmepumpe vorbei, ob Grundwasser-Wärmepumpe, Luft-Luft-Wärmepumpe oder Luft-Wasser-Wärmepumpe. Wir haben dann Strom aus erneuerbaren Energien und wir holen zum Beispiel aus der Luft die Energie, um unsere Gebäude zu heizen. Die benötigte Leistung der Wärmepumpen wird immer kleiner. Vor 10 Jahren haben wir im Einfamilienhaus noch mit 10 kW gearbeitet, heute arbeiten wir mit 5 kW und diese Entwicklung wird sich auch auf Gewerbeimmobilien übertragen, spätestens ab 2021 mit den Netto-Null-Energie-Gebäuden. Dafür muss die Wärmepumpe heute und zukünftig smart grid-fähig sein und auch eine gewisse Speicherkapazität haben. Und sie muss auch kühlen können, denn neue Häuser sind durch die gute Dämmung warm, das wird vielfach unterschätzt. Bei warmen Sommertemperaturen wird es dann viel zu heiß und das lässt sich auch mit Lüften nicht lösen, wie wir diesen Sommer gesehen haben, wenn es auch nachts noch 25 Grad warm ist. Unsere Häuser sind mittlerweile Thermoskannen. Natürlich hat die Dämmung einen guten Grund, Heizenergie zu sparen. Aber die Dämmung ist teilweise im KfW 70 Haus so extrem, dass wir Gegenkühlen müssen, um es in einem solchen Effizienzhaus überhaupt aushalten zu können.

 

Welche Stolpersteine sehen Sie sonst noch auf dem Weg zur Energiewende in der Gebäudetechnik?

Gunther Gamst: 
Das, was wir vorhaben in Bezug auf die Energiewende, ist eine Riesenaufgabe. Denn für den Kunden, der das umsetzen soll, ist es zu kompliziert. Hochkomplexe Lösungen, viele unterschiedliche Produkttechnologien. Teils konträre Ansichten von Anlagenbauern, Ingenieurbüros und Politikern sowie undurchsichtige Förderprogramme verursachen große Verwirrung und Unsicherheit. Das zweite Problem ist, selbst wenn es laufen würde, haben wir zu wenig Handwerker, die die ganzheitlichen, technischen Lösungen umsetzen können. Bis 2020 sollen 6,5 Millionen alte Heizungskessel ausgewechselt werden. Wer soll das machen? Keiner will mehr Handwerker werden, alle wollen studieren. Das ist eine Riesenherausforderung und diese bei DAIKIN zu managen ist sehr spannend. Wir sehen ja jeden Tag, was draußen passiert. Anlagen werden falsch installiert und die Kunden beschweren sich, dass die Geräte nicht funktionieren. Mit welchem Halbwissen teilweise geplant und gearbeitet wird, ist erschreckend. Die Produkte an sich sind alle gut, das Problem ist die Montage und Auslegung. Da draußen arbeiten viele Wärmepumpen viel zu ineffizient aufgrund falscher Montage. Eine Lösung könnte sein, den Kunden näher an uns ranzulassen, so dass wir ihn beraten, wie die Anlage gebaut und ausgelegt werden muss, und er die Anlage dann beim Anlagenbauer kauft. Dieser muss aber geschult sein und wir überwachen die Installation. Denn der Kunde ist nur mit seinem DAIKIN System zufrieden, wenn es in der Praxis einwandfrei und effizient läuft.

 

Durch die Mitgliedschaft in der Stiftung 2 Grad engagiert sich DAIKIN für ehrgeizige Klimaziele. Wie viel kann effiziente Kälte- und Klimatechnik zur Erreichung dieser Ziele beitragen?

Gunther Gamst: 
Wenn wir das 2-Grad-Ziel nicht verfehlen wollen, dann müssen wir bis 2030 zwischen 15 und 30 Billionen Euro weltweit investieren, das ist eine unglaubliche Summe und eine riesen Chance. Dabei können wir uns allerdings nicht nur auf das in Relation zu anderen Nationen kleine Deutschland fokussieren. Hier ist der Beitrag, den wir leisten können eben gering im Vergleich zu Indien, China und anderen aufstrebenden Nationen. Dort ist es wichtig, dass gleich die richtige, effiziente Technik eingebaut wird und nicht alte, überholte Technologien. Dann können wir das 2-Grad-Ziel noch schaffen. Und es werden sich auch neue Geschäftsfelder entwickeln und neue Player auf den Markt kommen. Ich bin fest davon überzeugt, dass Firmen wie Apple und Google sich auch mit diesem Thema beschäftigen, das sieht man ja schon an deren Zukäufen wie den auf smart home Geräte spezialisierten Hersteller Nest. Die beschäftigen sich damit, weil die an die Daten wollen. In der strategischen Ausrichtung ist es für DAIKIN eine echte Herausforderung, diesen Trend nicht zu verschlafen.

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Welche Erwartungen haben Sie in diesem Zusammenhang an die Politik?

Gunther Gamst: 
Teilweise werden in der Politik gute Technologien wie die Wärmepumpe, die die Energiewende weiterbringen würden, schlechtgeredet. Dabei kann mit heutiger Technologie schon so viel eingespart werden. Und die Politik macht vieles viel zu kompliziert. Auf dem Papier sehen die ganzen Förderprogramme alle gut aus, aber sie können nicht umgesetzt und ausgeschöpft werden weil sie für den Endverbraucher unverständlich sind. Da wünsche ich mir von der Politik mehr Realitätsnähe. Und ich plädiere dafür technikoffen zu fördern und den Fokus darauf zu legen, wie viel Energie am Ende eingespart wird.

 

Und zum Schluss: Was wollten Sie schon immer mal sagen?

Gunther Gamst: 
DAIKIN ist erfolgreich, weil es Mitarbeiter gibt, die sich dafür begeistern. Die Marke und das Produkt brauchen diese Begeisterung. Damit wir weiter wachsen können und weiter erfolgreich sind, brauchen wir noch mehr Begeisterung und zwar von jedem. Das ist ein Schlüssel, auch wenn mal was schief läuft. Die Begeisterung ist wichtig. Und dann kommt auch automatisch Glück dazu, das kann man beeinflussen. Man muss einfach dranbleiben.

Herr Gamst, vielen Dank für das Interview!